Süddeutsche Zeitung vom 25.11.2008

Süddeutsche Zeitung | 25.11.08 | über Andreas Tilp

Der 45-jährige Jurist ist trotz seines mittleren Alters der Nestor unter den Anlegerschutzanwälten."

"Anleger haben in deutschen Gerichtssälen häufig schlechte Karten", sagt Tilp, und diese Einschätzung mag zunächst verwundern. Andere Anlegeranwälte locken viele Mandanten mit völlig überzogenen Siegesversprechen. Die Anzahl der Juristen in diesem Metier hat sich seit 2000 verzehnfacht. Alle wollen sie Aufträge, und die locken gerade jetzt, da Tausende Anleger von ihrer Bank enttäuscht sind - Lehman-Zertifikate wurden auch von anderen Kreditinstituten verkauft. Doch so einfach ist das alles nicht. Anleger müssen beweisen, dass ihnen Unrecht widerfuhr. "Wir brauchen deshalb eine gesetzliche Beweisumkehr", sagt Tilp, "Banken sind dem Kunden weit voraus bei der Sachkenntnis, also müsste es so sein, dass die Banken beweisen, dass sie alles richtig gemacht haben."

"Mit dem derzeitigen Klageboom hat Tilp Probleme. "Ich beobachte mit Sorge das unseriöse Verhalten einiger Wettbewerber. Mittlerweile hat der Anlegeranwalt fast denselben schlechten Ruf wie die Banken."